Räume erspüren –
Anna Morphs schafft Orte des Wohlfühlens

Silke Kahl

Silke Kahl
Innenarchitektin BDIA
Gründerin Anna Morphs
 
Wache Augen und ein strahlendes Lächeln erwarten mich bei meinem Interviewtermin mit Anna Morphs: Neugierde auf das Gegenüber, Offenheit im Gespräch, ein herzliches Lachen – mit jeder Frage spürt man die Leidenschaft der Innenarchitektin für Gestaltung, vor allem aber Ihr Interesse an Menschen und deren Bedürfnisse. Räume zum Wohlfühlen entwickeln und planen, Orten eine Seele verleihen und dabei immer den Nutzer in den Mittelpunkt zu stellen, ist bei Anna Morphs nicht nur Beruf, sondern Berufung. Ratio trifft auf Intuition, Fachwissen auf Erfahrungsschatz … darüber möchte man gerne mehr erfahren.

Interview: Bettina Schulz
Fotografie: Michael Frick
 

Anna Morphs –
wie alles
begann



Wann bist Du zum ersten Mal mit Innenarchitektur in Berührung gekommen?

Schon mein Vater war Architekt und hat mich oft auf die Baustellen mitgenommen. Ich war als Kind bereits sehr neugierig, bin durch die leeren Räume gegangen und habe mir überlegt, was wohl in welchem Zimmer einmal passieren wird. Und ich habe dann gar nicht verstanden, dass mein Vater quasi nur die Hülle an die Bauherren übergibt.

Du hättest das Architekturbüro Deines Vaters übernehmen können – warum wurde es dann doch die Innenarchitektur?

Das lag einfach an meinem Wunsch, von innen nach außen zu arbeiten. Die unterschiedlichen Bedürfnisse der Menschen aufzunehmen und diese in den Raum zu transportieren – Gebäude mit Leben zu füllen.
Silke Kahl

»Die Wertschätzung vorhandener Substanz ist Voraussetzung für meine Arbeit. Ich sehe mir immer das Potenzial eines Gebäudes an – mein Hebel ist dann die positive Veränderung.«

 

Nach Deinem Studium warst Du zunächst als angestellte Innenarchitektin tätig...

Ja, zwar wusste ich damals schon, dass ich mich selbstständig machen möchte, dennoch war es eine wichtige Zeit. In diesen sechs Jahren habe ich alle Positionen nochmals durchlaufen, die ich von der theoretischen Ausbildung im Studium kannte. Es ist wie beim Erlernen eines Handwerks – erst durch die Praxis wird das Fachwissen untermauert.

Kannst Du Dich an Dein erstes Projekt erinnern?

Das war tatsächlich die Innenarchitektur für eine Musterhausfirma, deren Häuser in Deutschland, Österreich und der Schweiz bereits in ökologischer Bauweise entstanden. Ich hatte mich spontan auf eine Ausschreibung beworben und kurz vor Fristende noch einen Entwurf abgeliefert. Die Firma setzte dann ihr Vertrauen in mich und gab mir damit die Chance, mich mit diesem Projekt selbstständig zu machen.
Silke Kahl
 

Innenarchitektur ist mehr als »schöne Gestaltung«.



Wie gehst Du ganz generell an Deine Projekte heran?

Das Elementarste in meinem Beruf ist es, sich in den Kunden hineinzuversetzen. Ich stelle mir immer zunächst die Frage: Wer ist die Zielgruppe, die mit dem Gebäude angesprochen wird? Ein Gefühl für den Nutzer und die Nutzung zu entwickeln, ist die Grundlage für alle weiteren Schritte.
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Was bedeutet Innenarchitektur für Dich persönlich?

Für mich ist Innenarchitektur das Bestreben, dass sich Menschen, die sich in den Räumen aufhalten werden, wohlfühlen. Da gehört eine schöne Gestaltung dazu, aber letztlich wird alles auf die tatsächlichen Bedürfnisse des Besitzers oder der Nutzer abgestimmt. Beim Entwerfen einer Schule stelle ich mir beispielsweise die Fragen: Wie sieht Tagesablauf der Schüler aus? Wie verhalten sie sich in unterschiedlichen Situationen? Wie kann ich sie abholen, ihnen Geborgenheit bieten, lernfreie Räume und solche zur Konzentration integrieren? Ich versuche bei jedem Projekt den Menschen in seiner Gesamtheit zu sehen.

Gibt es einen Faktor, der bei der Gestaltung von Räumen von Auftraggebern gerne unterschätzt wird?

Eine gute Beleuchtung ist beispielsweise wahnsinnig wichtig. Ein intelligentes Lichtkonzept lässt einen Raum viel besser wirken. Innenarchitektur besteht ohnehin aus vielen Puzzleteilen – Licht, Materialien, Farben, Proportionen. Stofflichkeit wird auch gerne unterschätzt, denn was kommt beim Bewohner oder Nutzer eines Raumes letztlich an? Es sind die Oberflächen, die Qualitäten der Haptik, die uns im wahrsten Wortsinn berühren.

Inwiefern spielt Nachhaltigkeit in Deiner Arbeit eine Rolle?

Natürlich sind ökologische Gesichtspunkte wichtiger denn je. Es fängt schon damit an, mit Vorhandenem zu arbeiten – so kann aus einem übriggebliebenen Stück Holz aus der Bauzeit vielleicht noch ein Tisch werden. Auch die sorgsame Materialwahl spielt hier hinein. Ich finde es gut, regional zu denken und heimische Rohstoffe zu nutzen. Zudem gibt es viele spannende Produktentwicklungen aus recycelten Materialien.
 
Silke Kahl


»Kein Projekt gleicht dem anderen, doch alle eint das Gespür für Räume und ihre Nutzer.«



Du realisierst in erster Linie Projekte im Objektbereich – wie sind hier die ersten Schritte?

Zunächst setzte ich mich intensiv mit der Architektur auseinander und analysiere das Konzept des Gebäudes. Wichtig ist eine vorausschauende Planung, denn der Zweck eines Raumes kann sich schon in wenigen Jahren verändern. In Bausteinen zu denken und Möglichkeiten im Auge zu behalten, ist in jedem Fall sinnvoll. Natürlich konzeptioniere ich den Raum für den gegenwärtigen Bedarf, versuche aber, künftige Optionen offenzuhalten.

Dabei sorgst Du auch für eine funktionierende Signaletik. Was ist hier zu berücksichtigen?

Je komplexer die Architektur ist, desto intensiver muss man sich mit dem Wegeleitsystem beschäftigen. Auch hier ist es wieder sehr wichtig, sich in den Nutzer einzufühlen: Wie wird sich dieser in den Räumen bewegen? An welchen Stellen muss er abgeholt werden? Bei großen Objekten hilft so etwas wie ein »Soft Opening«, bei dem ich die Besucher und ihre Wege genau beobachte und Korrekturen vornehmen kann.
Innenarchitektur. Von Außen nach Innen. Der uns umgebende Raum wirkt auf unser Inneres. Indem wir Räume verändern, verändern wir auch den Menschen.

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Produktivität Raum verschaffen



Wie übersetzt Du Corporate Identities von Unternehmen räumlich?

Zunächst einmal ist es das größte Geschenk, wenn Unternehmen mit ihrer CI glücklich sind, denn so ist bereits eine Richtung vorgegeben. Die Zielgruppe und das Selbstverständnis sind definiert, und es ist relativ leicht, die Innenarchitektur entsprechend anzupassen. Dabei muss sich die CI nicht überall plump widerspiegeln, sie kann sich auch in Details zeigen sowie in Räumen, die für den Markenauftritt relevant sind, wie den Empfang.

Was ist speziell bei der Gestaltung von Arbeitsplätzen noch wichtig?

Auch hier ist das Wohlfühlen entscheidend: Sind die Arbeitsplätze den Lichtverhältnissen angepasst? Wie viel Platz benötigt ein Mitarbeiter? Es gibt selbstverständlich viele rechtliche Vorgaben, die einzuhalten sind. Mitentscheidend sind aber auch persönliche Vorlieben, wie das zeitweise Arbeiten im Stehen. Übergeordnet geht es immer um eine unterstützende Arbeitsatmosphäre, die mit durchdachter Innenarchitektur gewährleistet wird.
Maria Ward Schule Nürnberg

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Anamorphosen – eine faszinierende Illusion für individuelle Räume



Wie bist Du auf die Technik der Anamorphosen gekommen?

Durch einen ganz klassischen Innenarchitekturauftrag einer Firma, die auf Computerspiele spezialisiert war. Mir stellte sich die Frage, wie ich dieses digitale, virtuelle Thema in den Raum übersetzen kann. Da erinnerte ich mich an eine Kunstinstallation – eine Anamorphose. Eigentlich ist das eine uralte Technik, bei der ein Bild erst dann erkennbar wird, wenn man es von einem bestimmten Blickwinkel aus betrachtet. Auch für die Maria-Ward-Schule, die ich gestaltete, war eine Anamorphose eine großartige Lösung: Die Schülerinnen gestalteten im Kunstunterricht hierfür Motive, die wir in den Treppenhäusern als Anamorphose umsetzten – durch den partizipativen Ansatz konnten sie sich mit ihrer Schule viel besser identifizieren.



»Anamorphose bedeutet so viel wie ›Umformung‹ – im Mittelalter wurden damit beispielsweise geheime Botschaften übermittelt. Eine faszinierende Wirkung, die sich relativ leicht und kosteneffizient erzielen lässt.«



Funktionieren Anamorphosen nur in großen Räumen?

Nein, diese Technik funktioniert auch in der Ecke eines kleinen Raums. Aber in erster Linie kommen ohnehin Unternehmen auf mich zu, die solch einen besonderen und dynamischen Eyecatcher in Bürogebäuden oder Showrooms setzen möchten – da sind die Dimensionen ohnehin entsprechend größer.

Anamorphose. Räume werden zu dimensionalen Kunstobjekten, die ihren Betrachtern vergegenwärtigen: Das Leben ist Bewegung, unsere Sicht auf die Welt immer eine Frage des Blickwinkels.

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